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Historie

Tradition und Geschichte Merzens


Luftaufnahme um 1960

Als "Marsunnon" erscheint Merzen erstmals im Jahre 977 in einer Urkunde. Es ist der 29. Oktober, als König Otto II. auf Bitten des Osnabrücker Bischofs Ludolf schriftlich zusichert, dass dem Getreuen Herigisus unter anderem in der Region Merzen bedeutende Güter, teils Eigengut, teils Lehngut des Bischofs von Osnabrück, übertragen werden. "Marsunnon" ist ein Begriff aus dem Althochdeutschen und bedeutet so viel wie "nasse oder feuchte Niederung". Wie Geologen inzwischen festgestellt haben, liegt die Dorfmitte auf einer aus der letzten Eiszeit stammenden Trockendüne, die tatsächlich vor Jahrtausenden von feuchten Niederungen oder Sümpfen umgeben war. Als die Menschen sesshaft geworden waren und sich dem Ackerbau und der Viehzucht zuwandten, begannen sie auch mit Entwässerung und Kultivierung des Landes.

Um ca. 2500 vor Christi Geburt ließen sich die ersten Menschen der jüngeren Steinzeit auf dem Gebiet der heutigen Gemeinde Merzen nieder. Das belegen zahlreiche Funde und die noch heute zu bestaunenden Hügelgräber im Giersfeld (Ankum-Westerholte). Sieben noch erhaltene Großsteingräber - der Volksmund nennt sie auch "Hünengräber" - geben Anlass zu der Annahme, dass es eine Besiedlung schon in den letzten 2000 Jahren vor Christus gegeben hat. Es sind die Grabstätten ganzer Generationen und Sippen, deren Mitglieder dort beigesetzt wurden. Auch auf dem Gebiet der Gemeinde Merzen gibt es noch einige erhaltene Hügelgräber, beispielsweise im Ortsteil Plaggenschale.

Die Zeit der Christianisierung:

Von Aufständen der heidnischen Sachsen berichten Quellen im 8. Jahrhundert nach Christus. Ihr Anführer ist der legendäre Sachsenherzog Widukind ("Wittekind"), der ab 777 immer wieder Aufstände und Kriege gegen die fränkische Herrschaft anführt.

Sein ärgster Feind und Widersacher ist der Frankenkönig Karl der Große, der sich die Christianisierung der heidnischen germanischen Stämme im Norden und Osten seines Reiches zur Aufgabe gemacht hat. 782 gelingt dem Herrscher des Abendlandes und dem "Herrn über die Christenheit" - so wird er heute von Historikern gern betitelt - ein entscheidender Schlag: Beim angeblichen "Blutgericht von Verden" lässt Karl fast 5000 aufständische Sachsen vor aller Öffentlichkeit hinrichten.

Der Widerstand der germanischen Stämme ist gebrochen, drei Jahre später, lässt sich Herzog Widukind taufen. In Merzen gründeten schon kurze Zeit später Lütticher Missionare eine Taufkirche. Den hl. Lambertus, einen Missionar, der in den Niederlanden den christlichen Glauben verkündet hatte und dabei den Märtyrertod gestorben war, verehrten die in Merzen tätigen Missionare besonders. Nach ihm benannten sie die erste Kirche.

Sie wird in der Urkunde Ottos II. nicht aufgeführt, Historiker vermuten, dass es sich anfangs um einen einfachen Fachwerkbau gehandelt haben könnte. Erst im 12. Jahrhundert machen sich die Einwohner daran, ein Gotteshaus aus Stein zu bauen, das allen Widrigkeiten der kommenden Zeiten trotzen soll. 

Vom Mittelalter in die frühe Neuzeit:

Was das Dörfchen Merzen während der großen Ereignisse in der Zeit vom Mittelalter bis in die frühe Neuzeit erlebt hat, ist nur zum Teil überliefert. Im Jahr 1350 tobt die bisher größte Pestepidemie auf dem europäischen Kontinent. Ein Drittel der Bevölkerung fällt dieser Seuche zum Opfer. Mittendrin im Geschehen liegt Merzen im 16. und 17. Jahrhundert, als Fürsten und Ritter sich den Fehdehandschuh zuwerfen.

Es sind Zwistigkeiten und Streit um Grund und Boden, kurzum, um die Macht im eigenen Territorium. Überliefert ist die Fehde zwischen den Grafen von Tecklenburg und dem Bischof von Osnabrück. Im Kampf gegen den Ritter Cord von Grothaus, der das Land rings um das Amt Fürstenau auszuplündern drohte, schlossen sich auch Merzener Bauern unter der Führung des Vogtes Hoberg an. Insgesamt 800 Bauern sollen es gewesen sein, die sich am 29. März 1591 im Gehn bei Ueffeln versammelten. Doch die schlecht bewaffneten und im Kampf wenig geübten Bauersleute waren für die Ritter keine "richtigen" Feinde: Sie wurden besiegt, die Schlacht ging als "Blutbad am Gehn" in die Geschichtsbücher ein, der viele hundert Bauern zum Opfer gefallen waren. Raubzüge musste die Ortschaft in den folgenden Jahren immer wieder über sich ergehen lassen. 1618 begann der Dreißigjährige Krieg, der noch größere Not und Elend über die Menschen brachte. 1621 und 1624 kamen spanische und holländische Soldaten und Söldner, aber auch Truppen des Kaisers unter Führung des "Generalissimus" Tilly, die in Fürstenau einquartiert waren, in die hiesige Region.

Fürstenauer und Merzener erlitten das gleiche Leid: Ausplünderung, Brandschatzung und Mord. Während der Friedensverhandlungen 1647 zu Münster und Osnabrück belagerten die Schweden die fürstbischöfliche Residenz in Fürstenau. Sie überfielen mehrere Male auch den Kirchort Merzen, um sich Proviant zu verschaffen. Der Raub von Tieren, Geiselnahme und noch mehr Unrecht musste die Bevölkerung ertragen. Der Friedenschluss von 1648 war schließlich eine Erlösung, an die zwei in Not und Elend aufgewachsene Generationen nicht mehr zu hoffen gewagt hatten. Allmählich besseren Zeiten gingen die Einwohner Merzens im 18. Jahrhundert und 19. Jahrhundert entgegen, ausgenommen die Zeiten des Siebenjährigen Krieges (1756 - 1763) und der Bauernbefreiung (1800 - 1850).

Das 20. Jahrhundert:

Extraausgaben der Zeitungen informieren am 3. August 1914 die deutsche Bevölkerung: Der Erste Weltkrieg beginnt, der die Heimat aber zum Glück von den vielen Gräueln verschont. Anders ist es beim Zweiten Weltkrieg, den die Einwohner zunächst als Luftkrieg erleben. Flakstellungen werden in Plaggenschale und Lechtrup errichtet, um die Bedrohung aus der Luft abzuwehren. Erst in den letzten Kriegstagen des Jahres 1945 erreichen allliierte Truppen das Dorf. Beide Kriege kosteten vielen jungen Merzenern das Leben. Nach dem Ende des Krieges, nach Besatzung, Währungsreform und Gründung der Bundesrepublik Deutschland beginnt sich auch das Leben in der damals kleinen Landgemeinde langsam aber sicher zu normalisieren.

Merzen heute:

Merzens Entwicklung ist charakteristisch für die Wandlung eines zunächst rein landwirtschaftlich geprägten Dorfes hin zur attraktiven Wohngemeinde. Ein Prozess, der im Vergleich zu anderen Gemeinden im Umkreis aber erst spät einsetzt.

Ende der 60er Jahre beginnt der Gemeinderat, Konzepte für eine Dorfentwicklung zu diskutieren und Wohnbauland auszuweisen. Wohnen und Leben auf dem Land - das gilt längst nicht mehr als rückständig und unmodern. Quicklebendig geht es in den Wohngebieten zu, die der idyllisch-ruhigen Landschaft angepasst sind. Fußläufige Wege, viel Grün und Platz zum Toben, Spielen und Entspannen, eine direkte Anbindung an die Ortsmitte mit Kirche, Schule, Kindergarten, Arzt, Apotheke und Einzelhandelsgeschäften sind eine Selbstverständlichkeit.

Diese Qualitätsmaßstäbe haben die Verantwortlichen bis heute nicht außer Acht gelassen. Vielleicht ist es gerade das, weshalb auch Einwohner aus dem Umland in Merzen ein neues Zuhause finden wollen.

Tribut forderte aber der Ausbau der Bundesstraße 218, die Merzen mit dem Oberzentrum Osnabrück verbindet. Mit ihrer Verbreiterung und Begradigung in den sechziger Jahren verlor die Gemeinde einige alte Gebäude, die viele Jahre lang das Bild Merzens bestimmten. 

So verwundert es nicht, dass das Dorf auf Gäste und Besucher zunächst einen relativ jungen Eindruck macht, denn historische Bausubstanz sucht man in der Ortsmitte nahezu vergebens. An überlieferten Traditionen und am Brauchtum halten die Einwohner im Dorf wie auch in den fünf Ortsteilen fest, die seit der Gebiets- und Verwaltungsreform des Jahres 1972 zur Einheitsgemeinde Merzen gehören. Dort kümmern sich engagierte Einwohner sowie viele Vereine und Verbände um die Gestaltung des gemeinschaftlichen Miteinanders. Sie prägen damit das kulturelle Antlitz der ganzen Gemeinde und halten es lebendig. Alle, Einwohner und politisch Verantwortliche, sind gleichermaßen aktiv daran beteiligt, sich ein Umfeld zu schaffen, in dem es sich angenehm arbeiten und wohnen lässt.

Zu den Höhepunkten eines Jahres zählen unter anderem die Schützenfeste in Merzen, Südmerzen, Plaggenschale-Döllinghausen, Engelern-Schlichthorst und Ost- und Westeroden, die Kirmes im August, Sängerfeste, das Erntedankfest oder der Weihnachtsmarkt.

Heute leben in Merzen mehr als 4000 Einwohner, die Gemeinde gilt als aufstrebender Wohn- und Gewerbestandort. In jüngster Zeit sind vielfältige Initiativen insbesondere zur Förderung des Tourismus hinzugekommen. Im Bereich der Freizeit entstanden in den vergangenen Jahren auch durch finanzielle Unterstützung der Gemeinde und der Samtgemeinde Neuenkirchen unter anderem eine neue, 22 x 44 Meter große Ballsporthalle, Tennisplätze, Reitgelände mit Reithalle oder neu erschlossene Wander- und Radstrecken.

 

Das Merzener Lied:

Du unser liebes Merzen,

Bist alt wie Osnabrück.

Das zeigt Dein alter Tempel,

Der Vorwelt Meisterstück!

Schon in den ersten Zeiten

Der deutschen Christenheit

Warst Du des Heiles Sonne

Für alle weit und breit!

 

Als einst der rohe Türke

Die zwei gefangen nahm,

Da flehten sie zum Himmel,

Dass Gott zu Hilfe kam.

Dann sprengten sie die Bande,

Entfloh´n der Sklaverei

Und fühlten sich zu Merzen

Hier glücklich wieder frei!

 

So nahm auch uns gefangen

Der böse Alkohl!

Auch war´s bei dem Tyrannen

Nicht minder jammervoll!

Er nahm das Geld , die Habe,

Den letzten Bissen Brot

Und stürzte Leib und Seele

In Krankheit, Not und Tod.

 

Da schrie`n auch wir zum Himmel

Den Herrn um Hilfe an

Und kämpften im Vereine

Zusammen Mann an Mann!

So sprengten wir die Fesseln -

Entflohn der Sklaverei -

Und fühlten uns zu Merzen

Nun glücklich wieder frei!

 

Und sind wir nicht die ersten,

Wie einst im Christentum

Doch wollen wir bekämpfen

Den Alkohol mit Ruhm!

Wir wollen dem Tyrannen

So tapfer widersteh`n

Dass alle Nachbarsdörfer

Ein Vorbild an uns sehn!