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Nester nicht eigenhändig entfernen - Eichenprozessionsspinner in Neuenkirchen entdeckt

Eigenschutz ist auch für Schädlingsbekämpfer wichtig, wenn sie die giftige Raupe entfernen, wie hier in Voltlage. Foto: Herbert Kempe

Neuenkirchen/Voltlage. Raupen des Eichenprozessionsspinners, einer Nachtfalterart, sind in Neuenkirchen und Voltlage entdeckt worden. Die Samtgemeinde hat die giftigen und gefräßigen Tierchen entfernen lassen. Sie warnt davor, Nester auf eigene Faust zu beseitigen oder sie auch nur zu berühren.

Thaumetopoea processionea – der lateinische Name des gefährlichen Baumschädlings klingt nicht sonderlich alarmierend oder gar bedrohlich. Ganz anders ist das aber bei der Übersetzung, denn das als Eichenprozessionsspinner bekannte Tier hat bei Biologen und Förstern keinen guten Leumund. Nun ist die Raupe zeitgleich an zwei Stellen in Neuenkirchen und Voltlage entdeckt worden. Die Samtgemeinde hat die Nester an einer Eiche in der Nähe der Sporthalle und an einem Baum in der Knappstraße im Voltlager Ortsteil Höckel noch am selben Tag fachgerecht beseitigen lassen, damit von der giften Raupe keine Gefahr mehr für Menschen ausgehen kann.

Heftige allergische Reaktionen möglich

Der Eichenprozessionsspinner macht seinem Namen alle Ehre: Die Raupen mögen am liebsten das frische Laub der Eichen, deren Stämme sie meist zu Hunderten bevölkern und deren Baumkronen sie in einer Prozession erreichen. Wer mit den Raupen in Kontakt kommt, muss mit heftigen allergischen Reaktionen rechnen. Rote Pusteln auf der Haut, heftiger Juckreiz, sogar Atemwegsbeschwerden und ein allergischer Schock können die Folge sein. Das Fatale: Jede Raupe, die bis zu fünf Zentimeter groß werden kann, besitzt bis zu 600.000 feine, kaum sichtbare Härchen, an deren Enden winzige Widerhaken sitzen. Kommen diese mit der Haut des Menschen in Kontakt, brechen die Haken ab und setzen das Nesselgift Thaumetopoein frei.

Eiche an der Neuenkirchener Sporthalle befallen

Dieses Wissen hatte offenbar auch eine Betreuungskraft der Grundschule Neuenkirchen, als sie die Raupen an einer Eiche in einer Höhe von etwa 30 Zentimetern entdeckte. Sie informierte die Samtgemeinde Neuenkirchen, Mitarbeiter des Bauhofes sperrten den Baum aus Sicherheitsgründen sofort weiträumig ab. Der Baum steht in der Nähe der Sporthalle und damit an einem Ort, der nicht nur vormittags während der Schulzeit stark frequentiert wird, sondern auch in den Nachmittagsstunden. Die Verwaltung rief Hubert Potthast, einen geprüften Schädlingsbekämpfer, zur Hilfe. Er identifizierte die gefährlichen Raupen, schlüpfte in seinen Schutzanzug samt Atemmaske, entfernte die Nester mit einem Spezialstaubsauger und versprühte hinterher zur Sicherheit ein biologisches Spritzmittel.

Weiteres Raupennest in Voltlage beseitigt

Ähnlich ging Potthast auch in Voltlage vor. Dort hatten Anwohner an der Knappstraße in einer Eiche ebenfalls den Eichenprozessionsspinner entdeckt. Auch hier stieg der Schädlingsbekämpfer auf eine Leiter und saugte die Schädlinge ab, sodass nun keine Gefahr mehr für Menschen besteht.

Bezirksförster: Kontakt mit Raupen und Nestern vermeiden

„Das ist der erste festgestellte Fund im Nordkreis“, sagte Martin Meyer Lührmann. Der Bezirksförster der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Merzen warnt im Gespräch mit unserer Redaktion ausdrücklich davor, entdeckte Nester des Eichenprozessionsspinners selbstständig zu entfernen. „Angesichts der ziemlich heftigen Folgen für die Gesundheit sollte man davon die Finger lassen“, sagte er. Viel wichtiger sei, befallene Bäume umgehend den Ordnungsämtern der Gemeindeverwaltungen zu melden. Dort werde alles Weitere veranlasst, ausgewiesene Fachleute kümmerten sich dann um die Beseitigung der Nester, so der Bezirksförster.

Zur Sache

Ein unscheinbarer Schmetterling

Der Eichenprozessionsspinner ist laut NABU ein Nachtfalter aus der Familie der Zahnspinner. Der ausgewachsene Falter ist unauffällig grau (Flügelspannweite bis 30 Millimeter) und fliegt zwischen Ende Juli und Anfang September. Die Eier werden auf Ästen abgelegt. Im Herbst entwickeln sich die Embryos, die den Winter in den Eiern überdauern. Je nach Temperatur schlüpfen die Raupen zwischen Anfang April und Anfang Mai aus dem Ei und durchlaufen fünf bis sechs Larvenstadien, die jeweils etwa zehn Tage dauern. Die Raupen können bis zu fünf Zentimeter groß werden. Ab dem dritten Larvenstadium bilden sich die für den Menschen gesundheitsgefährdenden Brennhaare.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1217351/eichenprozessionsspinner-in-neuenkirchen-entdeckt#gallery&0&1&1217351

 

24. Mai 2018, 13:07 Uhr