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Gelungener Auftakt zum Dialog - Jugendliche beeindrucken Neuenkirchener Politiker

Keine Luftschlösser, sondern sauber recherchierte Fakten und detaillierte Konzepte präsentierten die Teilnehmer der ersten Jugendkonferenz der Samtgemeinde Neuenkirchen in Voltlage den Besuchern. Uwe Helmes, externer Begleiter der Veranstaltung, freute sich, „dass die Politik und die Erwachsenen hier total toll vertreten sind“. Foto: Ulrike Havermeyer

Neuenkirchen. Keine unerfüllbaren Weihnachtsmann-Wunschzettel sollten sie den Politikern vorlegen, hatte Uwe Helmes den Teilnehmern der Jugendkonferenz geraten. Was für handfeste Vorschläge sie dann aber erarbeiteten, überraschte selbst ihn.

Einen ganzen Tag lang haben mehr als 60 Jugendliche aus der Samtgemeinde Neuenkirchen diskutiert, recherchiert, strukturiert, visualisiert – und vor allem: realisiert – welche positiven Einflüsse sie auf die Entwicklung ihrer Gemeinden nehmen können. Unter dem Motto „Mach selber den Mund auf“, hatte die Samtgemeinde zu ihrer ersten Jugendkonferenz in die Overbergschule nach Voltlage eingeladen. Hintergrund: Die Vertreter der Kommune wollen auf diese Weise erfahren, was für die Jugend in den drei Orten wichtig ist.

„Ihr habt richtig geackert“

Anrufe bei Ämtern und Behörden, bei Firmen und Grundstückseigentümern. Gespräche mit Fachleuten. Ortsbesichtigungen. Dokumentieren der Eindrücke in Bild und Ton. Durchpflügen des Internets nach verlässlichen Daten. „Ihr habt richtig geackert, und ich bin erstaunt, was dabei alles auf den Tisch gekommen ist“, zollte Uwe Helmes, der als externer Berater vom Stellwerk Zukunft die Konferenz mitorganisiert hatte, den Schülern, Azubis, Ausgelernten und Studenten zwischen 14 und 21 Jahren Respekt, als diese ihre mit Plänen, Fotos und Fakten gespickten Stellwände vorstellten.

Viel los auf dem „Markt der Möglichkeiten“

Nicht nur Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay nutzte den „Markt der Möglichkeiten, um sich ein Bild davon zu machen, was dem Nachwuchs der Gemeinde unter den Nägeln brennt. Mit Vitus Buntenkötter, Gregor Schröder und Norbert Trame waren alle drei Ortsbürgermeister sowie auch etliche Ratsmitglieder, Privatpersonen, Vertreter der politischen Fraktionen, der Verwaltung und der Vereine gekommen, begutachteten interessiert – und nicht selten mit zustimmendem Kopfnicken – die Ergebnisse und suchten das Gespräch mit den ambitionierten jungen Leuten.

Fahrradwege? Hoher Handlungsbedarf!

Viel Andrang herrschte unter anderem am Stand „Fahrradwege“, an dem die Jugendlichen auf die mangelnde Verkehrssicherheit an bestimmten Stellen der Samtgemeinde (Fürstenauer Damm, Voltlager Straße) aufmerksam machten. Wie gefährlich es für sie als Radfahrer dort ist, veranschaulichten sie mit einem frisch gedrehten Video. Auf der Bewertungsskala, die an jeder Stellwand prangte und auf die jeder Besucher seine Klebepunkte setzten durfte, ballten sich beim Thema „Radwege“ denn auch sämtliche Markierungen im Bereich „sehr hoher Handlungsbedarf“. Auf die Frage „Wie zuversichtlich bist du, dass sich tatsächlich etwas ändert?“ antworteten allerdings fast ebensoviele Besucher mit „geht so“ bis „gar nicht“. Warum diese verhaltene Stimmung?

Wer ist eigentlich für was zuständig?

Samtgemeindebürgermeisterin Schwertmann-Nicolay erläuterte, dass auch die Samtgemeinde bereits seit Jahren auf den Bau der Radwege dränge, die Zuständigkeit in diesem Falle aber beim Landkreis liege. „Für uns ist das manchmal genauso frustrierend wie für euch“, gab sie einen Einblick in das kommunalpolitische Alltagsgeschäft. Starkes Interesse herrschte auch am Thema „Drogeriemarkt“, den nicht nur viele Jugendliche, sondern auch etliche Erwachsene gerne in ihrer Gemeinde hätten. Auch in dieser Angelegenheit haben die Politiker in der Vergangenheit schon einiges versucht – bisher jedoch erfolglos. „Aber dieses ist ein ganz neuer Ansatz“, kommentierte Ratsmitglied Andreas Terheiden (Neuenkirchen) die Herangehensweise über die Jugendkonferenz, „und damit möglicherweise auch ein neuer Hebel.“

Bald eine eigene Jugendfeuerwehr?

Bekommt die Samtgemeinde bald eine eigene Jugendfeuerwehr? Dafür engagierten sich vor allem jüngere Schüler und argumentierten, dass es sinnvoll sei, rechtzeitig für den Nachwuchs der Blauröcke zu sorgen. Auch sie ernteten viele zustimmende Klebepunkte. Die Aussichten für einen Kunstrasenplatz sind wohl eher langfristig bemessen, wie selbst die Befürworter nach dem Ermitteln der Kosten schmunzelnd zugeben mussten. „Aber auch, wenn die Bretter, die ihr bohren wollt, dick sind, so muss man ja irgendwann mit dem Bohren anfangen“, machte Uwe Helmes ihnen Mut. Anders stellte sich die Situation in Sachen „Gründung einer Tanzgruppe“ und „Einrichten einer „Paintball-Arena“ dar: Hier hatten sich die Jugendlichen bereits um Räume und Unterstützer gekümmert, Tanzlehrer organisiert beziehungsweise eine abgelegene Fläche samt Hindernissen ausfindig gemacht, auf der es, wenn auch nicht mit Paintballwaffen, so doch mit Nerfs, möglicherweise ab Herbst losgehen kann. Sogar ein Sponsor fand sich während des Marktes der Möglichkeiten.

Lust auf Zusammenarbeit

Weitere Top-Themen waren: Ausweisen von ungestörten Plätzen für die Jugendlichen, die sie selbst gestalten können, zum Beispiel mit einer Hütte. Erneuerung der Jugendtreff-Terrasse, Verschönern des Vorplatzes vom Jugendhaus Merzen, Aufstellen von Mülleimern und Aufwerten der Müllsammelaktionen zur Dorfverschönerung, ein Jugendfreizeitprogramm, das sich spezielle an die 14- bis 18-Jährigen wendet, sowie die Beteiligung der Jugendlichen bei der Planung von Kirmes und Dorffesten. „So – “, rieb sich Jugendpfleger Uwe Hummert am Ende der Konferenz zufrieden den Schweiß von der Stirn, „wir haben unsere Hausaufgaben gemacht, jetzt sind die Politiker dran.“ Die scheinen ebenfalls motiviert, den Dialog mit den Konferenzteilnehmern fortsetzen zu wollen. „Dass neben vielen anderen Erwachsenen auch alle drei Bürgermeister hier sind, zeigt, dass wir Interesse und Lust haben, mit euch zusammenzuarbeiten und eure Ideen weiter zu begleiten“, versicherte Schwertmann-Nicolay den Jugendlichen.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1249209/jugendliche-beeindrucken-neuenkirchener-politiker#gallery&0&0&1249209

 

1. Juni 2018, 13:17 Uhr