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Beispiel für innovative Daseinsvorsorge - Minister Jens Spahn lobt Gemeinschaftshaus Merzen

Im Gemeinschaftshaus Merzen hat sich Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auch über die Themen Bildschirmpflege und Telemedizin informiert. Foto: Mirko Nordmann

Merzen. Eineinhalb Jahre ist das Gemeinschaftshaus Merzen schon in Betrieb. Auf die nachgeholte Grundsteinlegung am Samstag folgte am Dienstag mit der offiziellen Eröffnung der letzte Akt. Gesundheitsminister Jens Spahn lobt das Projekt: „Das ist wichtig für das Selbstverständnis eines Ortes.“

„Eine große Ehre für die kleine Gemeinde Merzen“, begrüßt Bürgermeister Gregor Schröder den Gast aus Berlin. Spahn hat sich eine Stunde Zeit genommen, um mehr zu erfahren über Werdegang und Konzept des Gemeinschaftshauses. Das markante Gebäude an den Dorfteichen vereint unter einem Dach Einrichtungen aus dem Gesundheits- und Pflegebereich: eine ambulant betreute Hausgemeinschaft, eine Tagespflege, einen ambulanten Pflegedienst, außerdem betreibt Allgemeinmediziner Martin Jürgens hier seine Hausarztpraxis, im ersten Stock ist die Praxis für Physiotherapie und Reha-Sport von Claudia Schuchardt zu finden. Zwölf betreute Wohnungen, die die Gemeinde Merzen vermietet, komplettieren das Angebot, außerdem haben hier die Kleinen Hilfen ihre Anlaufstelle.

Bewohnerin fragt: „Wollen Sie jetzt auch Bundeskanzler werden?“

Neugierig auf den jungen CDU-Politiker sind auch die Bewohner der Tagespflege und der ambulant betreuten Hausgemeinschaft. Kein Wunder, denn Spahn hat am Tag zuvor nach dem angekündigten Rückzug von Angela Merkel seine Kandidatur um den CDU-Parteivorsitz angekündigt. Als er zur Tür hereinkommt, gibt es einen freundlichen Applaus. Jedem Bewohner schüttelt er die Hand, erkundigt sich nach dem Befinden. Und dabei traut sich eine Bewohnerin, ihm die Frage zu stellen, die auch den anwesenden Journalisten auf der Zunge liegt: „Wollen Sie jetzt auch Bundeskanzler werden?“ Spahn lächelt, belässt es bei einem „Schaun wir mal“.

Caritas erläutert Projekt Bildschirmpflege

Dass ein Ministerbesuch für Aufregung sorgt und den Blutdruck steigen lässt, merkt an diesem Morgen Rosemarie Heinz, die Spahn in ihrem Zimmer empfängt. Im Februar ist sie von Dortmund nach Merzen umgezogen, lebt nun in der Wohngemeinschaft. Sie fühle sich hier wohl, habe ihre Familie in der Nähe, „aber es war schon schwer, das eigene Heim aufzugeben, weil man pflegebedürftig wird“. Am Beispiel von Heinz zeigen Einrichtungsleiterin Brigitte Mathlage und Geschäftsführer Rudi Fissmann von der Caritas Nordkreis Pflege, wie das Projekt Bildschirmpflege in Merzen umgesetzt wird. Auch dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, dessen Ziel es ist, Medizin und Pflege noch enger zu verknüpfen. Im Gemeinschaftshaus ist eine Telemonitoringplattform installiert worden, auf der alle Informationen von Pflege und Hausarzt zusammenlaufen, so zum Beispiel die Blutdruckwerte von Rosemarie Heinz.

Allgemeinmediziner lobt Telemedizin

Als Spahn die Hausarztpraxis von Martin Jürgens am anderen Ende des Gebäudes betritt, sind die Vitalwerte von Rosemarie Heinz längst im Praxis-PC aufgelaufen. „Ein klarer Fall von Aufregung“, lächelt Jürgens über den hohen Blutdruck seiner Patientin. Der Allgemeinmediziner lobt die Vorzüge des Pilotprojekts, bei dem Hausarzt und Pflegedienst Gesundheitsdaten eines Patienten austauschen. Werden kritische Werte überschritten, kann er sofort eingreifen. Der Vorteil: Das Pflegepersonal wird von Routineaufgaben entlastet. Jürgens, der seit 20 Jahren in Merzen praktiziert, merkte an, dass er gerne als Landarzt tätig sei. „Das ist vielseitig und spannend.“ Worte, die der Minister offenkundig gerne hörte. Auch der Physiotherapiepraxis von Claudia Schuchardt stattet der Minister einen Besuch ab.

Ein Artikel von Christian Geers / Bersenbrücker Kreisblatt

31. Oktober 2018, 07:30 Uhr