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Interview mit Hildegard Schwertmann-Nicolay - Samtgemeinde Neuenkirchen will in Merzen "Schule neu denken"

Die zweite Halbzeit ihrer achtjährigen Amtszeit hat für Samtgemeindebürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay bereits begonnen.
Foto: Christian Geers

Neuenkirchen. 2019 gibt es in der Samtgemeinde Neuenkirchen „politisch viel zu entscheiden“. Das hat Bürgermeisterin Hildegard Schwertmann-Nicolay im Interview mit unserer Redaktion angekündigt. Vor allem zwei Bauprojekte dürften die Diskussion beherrschen.

Frau Schwertmann-Nicolay, die zweite Hälfte Ihrer Amtszeit hat bereits begonnen. Haben Sie schon über eine erneute Kandidatur im Jahr 2022 nachgedacht? 

Ja, das habe ich. Es gibt viele Gründe, warum ich es mir persönlich sehr gut vorstellen kann. 

Welche sind das?

Als Verwaltungschefin sage ich, dass eine achtjährige Amtszeit zu kurz ist, um Prozesse in einer Verwaltung zu verändern. Einer Verwaltung täte es gut, wenn da eine gewisse Konstanz wäre. Mir macht das Amt viel Freude, ich schätze die Zusammenarbeit mit dem tollen Team. Die Zusammenarbeit mit der CDU-Mehrheitsfraktion, die mich ja aufgestellt hat, ist aus meiner Sicht geprägt von gegenseitigem Vertrauen. Da gibt es eine gute und solide Basis. Das gilt auch für SPD- und Grünen-Fraktion. Die Aufgabe macht großen Spaß, weil ich auf viele engagierte Menschen mit vielen guten Ideen treffe. Allerdings: Politik, Verwaltungsleitung, Repräsentanz – das kostet Zeit, die mir für Freunde und Familie fehlt. Aber eine ganz entscheidende Frage ist ja noch gar nicht geklärt.

Welche wäre das?

Ob die CDU, die mich 2013 nominiert hat, das auch so sieht. Darüber haben wir noch gar nicht gesprochen. Das ist ja auch noch zu früh.

Das Rathaus der Samtgemeinde Neuenkirchen an der Alten Poststraße in Neuenkirchen: Das Gebäude aus den 1970er-Jahren weist energetische und technische Mängel auf, außerdem ist es inzwischen viel zu klein geworden. Foto: Christian Geers

 

Wir sitzen hier im Rathaus Neuenkirchen, das nicht den Ansprüchen einer modernen Verwaltung genügt. Was wird hier passieren?

Es gibt eine klare politische Vereinbarung: Der Samtgemeinderat hat beschlossen, ein Architekturbüro mit den Vorplanungen zu beauftragen. Dafür bin ich dankbar. Die Politik hat erkannt, dass das hochmotivierte und engagierte Team im Rathaus nur dann gute Arbeit leisten und gute Ergebnisse erzielen kann, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

Woran hapert es?

Das Gebäude aus den 1970er-Jahren ist kaum gedämmt: Im Sommer ist es unerträglich heiß und im Winter zieht es. Wir haben nicht genügend Büros, technische Mängel beeinträchtigen die Arbeit. Es gibt einen erheblichen Sanierungsstau.

Das klingt nach einer Nulllösung: Abriss und Neubau...

Die Herausforderung ist groß, das stimmt schon. Der Auftrag der Politik lautete, verschiedene Lösungen zu prüfen: Sanierung des Gebäudes mit Anbau oder Neubau. Es liegen noch nicht alle Ergebnisse vor, außerdem sollte geklärt werden, ob für ein solches Vorhaben auch Fördermittel in Anspruch genommen werden könnten. Ich denke, bis zur Ratssitzung am 18. März werden wir Ergebnisse vorstellen können.

Das frühere Schulzentrum in Merzen: Das Bild zeigt die frühere Orientierungsstufe (im Vordergrund), die bis 2004 bestand. Im Hintergrund ist die zweigeschossige Grundschule zu sehen, die 1975 gebaut und Mitte der 1990er-Jahre aufgestockt wurde; links im Bild die beiden Sporthallen. Fotos: Christian Geers/Archiv

 

Zur nächsten Baustelle: Auch die Grundschule Merzen soll saniert und erweitert werden. Ein ähnlicher Fall, es geht es um energetische und brandschutztechnische Defizite.

Nicht nur um die. Das Vorhaben ist deutlich komplexer als eine Rathaussanierung. Unser erstes Ziel und unsere Pflicht ist, in Merzen einen zukunftsweisenden Schulstandort zu schaffen. Das hat Priorität. Wir müssen bei der Planung schauen, welche Herausforderungen zu beachten sind. Zum Beispiel: Wie verändert sich Unterricht, wie das Schulleben? Welche Anforderungen bringt die Inklusion mit sich, welche der Ganztag? Die Samtgemeinde muss in Merzen Schule neu denken. Mir war von Beginn an klar, dass es nicht damit getan ist, einfach weiter zu sanieren. Wir haben die Riesenchance, hier etwas ganz Neues mit Modellcharakter zu entwickeln – für die Gemeinde Merzen und die Samtgemeinde Neuenkirchen.

Was heißt, Schule neu zu denken?

Wir haben am Schulstandort Merzen gewachsene Strukturen, die niemand zerstören will. Das heißt aber für mich nicht im Umkehrschluss, dass zukünftig, egal was an dieser Stelle geplant wird, die Räume so in die Schule eingebunden sind, wie es bisher der Fall ist. An diesem Standort wird das Gemeindeleben gestaltet. Es ist aus meiner Sicht zu kurz gegriffen, wenn wir als Samtgemeinde sagen, dass wir nicht auch für die Vereine zuständig sind, die die frühere Orientierungsstufe für ihre Zwecke nutzen. Voraussetzung ist, dass alle Beteiligten keinen Zwängen unterliegen und offen sind für Lösungen, die zwar anders aussehen als heute, aber nicht schlechter sind.

Wie gehen Sie dabei vor?

Lehrer, Eltern und Samtgemeinde haben sich zunächst Gedanken über die konzeptionelle Arbeit der Grundschule Merzen gemacht. Das ist wichtiger als vorschnell eine Entscheidung zu treffen, ob das Gebäude saniert, zum Teil abgerissen wird, es einen Anbau oder sogar einen Neubau gibt. Am Ende der Diskussion müssen wir die Dinge zusammenbringen: Was braucht eine moderne Schule? Was ist am bisherigen Standort vorhanden? Was muss ergänzt werden?

"Es geht nicht darum, möglichst große und tolle Gebäude zu bauen."Hildegard Schwertmann-Nicolay, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Neuenkirchen


Die Gebäude stehen ja nicht nur der Grundschule zur Verfügung. Sie haben es angesprochen: Auch Vereine und Verbände beherbergt die ehemalige Orientierungsstufe...

Außerdem nutzt das Jugendhaus Merzen das Gebäude, dazu kommt eine durchaus suboptimale Situation bei den Sporthallen. Auch das muss in die Gesamtbetrachtung einbezogen werden. Ein weiter Punkt ist, dass Merzen einen zweiten Standort für eine Kindertagesstätte benötigt. Wenn wir alle Informationen zusammengetragen haben, werden wir diskutieren und entscheiden, was der richtige und beste Weg ist. Diese Chance darf man nicht verstreichen lassen. Sie kommt nie wieder.

Wird 2019 eine Entscheidung fallen?

Das kann ich nicht sagen. Wir nehmen uns die Zeit, die wir brauchen, um in Merzen etwas Gutes zu entwickeln. Bei der Komplexität kann ich mir nicht vorstellen, dass es in diesem Jahr schon soweit sein könnte. Wir begnügen uns ja nicht mit der einfachsten Lösung.

Sanierung oder Neubau von Rathaus und Grundschule – haben Sie schon die Summen für diese Investitionen überschlagen?

Nein, eine realistische und seriöse Einschätzung ist zurzeit unmöglich, weil es keine konkreten Pläne gibt.

Halten wir fest: Egal, was in Merzen und Neuenkirchen passiert, es sind mithin die größten Bauprojekte in der Samtgemeinde Neuenkirchen...

...Das mag so sein, ist aber nie mein Ziel gewesen. Es geht nicht darum, möglichst große und tolle Gebäude zu bauen. In Merzen wäre es schlicht fahrlässig, einfach weiter zu sanieren und nicht darüber nachzudenken, welche Chancen der Schulstandort Merzen bietet.

 

Die Kindertagesstätte St. Katharina in Voltlage: Bisher trägt die Gemeinde Voltlage die finanzielle Hauptlast für den Betrieb. Wie auch in den Nachbarorten Merzen und Neuenkirchen denkt sie darüber nach, die Aufgabe an die Samtgemeinde Neuenkirchen abzugeben. Foto: Christian Geers/Archiv

 

In der Samtgemeinde Neuenkirchen sind die Mitgliedsgemeinden für die Kindertagesstätten zuständig, die Samtgemeinde für die Tagespflege. Ist diese Aufgabenteilung noch zeitgemäß?

Nein. Ich halte es für richtig, dass die Aufgabe der Kindertagesstätten formal und finanziell bei der Samtgemeinde liegt. Eltern in Merzen, Neuenkirchen und Voltlage wollen in ihrer Gemeinde für ihre Kinder ein gutes Betreuungsangebot. Denen sind die Zuständigkeiten gleichgültig. Das grundsätzliche Anliegen der Mitgliedsgemeinden, auch künftig eine Mitsprache bei den Kindertagesstätten zu haben, kann ich aber verstehen. Diese Möglichkeit soll es ja auch geben.

Warum?

Das ist eine Frage des guten Miteinanders. Aber man muss feststellen, dass bei allen Herausforderungen im Bereich der Kindertagesstätten – gesetzliche Veränderungen, Qualitätsansprüche, Finanzierungsfragen – ein ehrenamtlich tätiger Bürgermeister oder ein Gemeinderat nicht auf Augenhöhe mit den anderen Verantwortlichen wie Kitafachberatung, Träger oder Landkreis diskutieren können. Das kann man nicht erwarten. Wir müssen bis 2020 eine Reglung in der Samtgemeinde finden, die die Finanzierung der Tagespflege und die Kinderbetreuung zusammengeführt. Darüber wird gerade beraten.

"Die Kosten für die Kindertagesstätten sind aus heutiger Sicht langfristig eine für die Mitgliedsgemeinden nicht zu kalkulierende Größe."Hildegard Schwertmann-Nicolay, Bürgermeisterin der Samtgemeinde Neuenkirchen

 

Kommt es dazu, übernähme die Samtgemeinde von den Mitgliedsgemeinden die Finanzierung der Kindertagesstätten.

Ja.Die Kosten für die Kindertagesstätten sind aus heutiger Sicht langfristig eine für die Mitgliedsgemeinden nicht zu kalkulierende Größe. Der Etat der Samtgemeinde hat ein anderes Volumen als die Haushalte der Mitgliedsgemeinden, er kann das tragen.  

Die Samtgemeinde übernimmt eine neue Aufgabe, wird aber doch ihrerseits die Mitgliedsgemeinden zur Kasse bitten müssen, oder?

Ja, das wird nicht gehen, ohne die Umlage für die Mitgliedsgemeinden zu erhöhen. Aber deren Belastung durch eine höhere Samtgemeindeumlage wäre nicht so hoch wie der von ihnen bisher aufzubringende Anteil an der Kitafinanzierung. Ihnen bliebe ein größerer finanzieller Spielraum für andere Projekte.

Fassen wir zusammen: 2019 wird das Jahr der Entscheidungen in der Samtgemeinde Neuenkirchen?

Weil wir so politisch viele Entscheidungen treffen müssen, kann man das so sagen, ja.

Zur Sache

Zur Person

Hildegard Schwertmann-Nicolay (56) ist parteilos und seit 1. Mai 2014 Bürgermeisterin der Samtgemeinde Neuenkirchen. 2013 war sie von der CDU für das Amt nominiert worden. Ihre Amtszeit läuft bis 2022.  

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1658134/samtgemeinde-neuenkirchen-will-in-merzen-schule-neu-denken

 

18. Februar 2019, 12:24 Uhr