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Erste Aufführung am 24. Februar - Wie sich die Theatermakers Merzen auf die Premiere vorbereiten

Noch proben die Theatermakers Merzen vor leeren Stuhlreihen. Bei der Premiere am 24. Februar wird der Saal der Gaststätte Maassmann rappelvoll sein.
Foto: Mirko Nordmann

Merzen. So langsam steigt die Anspannung bei den Theatermakers. Am Sonntag, 24. Februar, bringt die Merzener Laienspielschar das plattdeutsche Lustspiel „Man dröff woll allens etten, aober nich allens…“ erstmals auf die Bühne. Dafür proben sie seit Monaten eifrig.

Kalt ist es an diesem Donnerstagabend im Saal der Merzener Gaststätte Maassmann. Leere Stuhlreihen stehen verlassen im Halbdunkel. Nur die Bühne ist beleuchtet. In wenigen tagen – bei der Premiere – wird das anders sein. Dann ist der Festsaal rappelvoll.

Im leeren Saal steht Michael Eggemann auf der Bühne und würdigt Franziska Prinz keines Blickes. Zu sehr konzentriert er sich, um die ersten Sätze des zweiten Aktes aus dem Gedächtnis zu kramen. Zum Glück liegt das Manuskript auf dem Wohnzimmertisch, an dem sich Hausdiener Alfons mit Babette, dem französischen Au-Pair-Mädchen, der Unternehmerfamilie Hugenberg unterhält. Immer wieder geht Michael Eggemanns verstohlener Blick Richtung Textvorlage. Noch muss nicht jeder Satz sitzen, noch ist Zeit.

Unten vor der Bühne warten die anderen Laienspieler der Theatermakers auf ihren Einsatz. Martin Heimbrock spendiert eine Tüte Chips. Die Damen machen es sich mit einem Gläschen Sekt gemütlich. Die Männer prosten sich mit Bier zu.

Nur Spielleiter Georg Weglage und Souffleuse Marion Weiß scheinen sich für das Treiben auf der Bühne zu interessieren. „Etwas langsamer“, mahnt der Spielleiter, als Franziska Prinz zu schnell spricht. Sie hat eine der wenigen Rollen ohne plattdeutschen Text. Dafür muss sie mit französischem Akzept sprechen.

Als Babette über ihre Liebe zu deftiger deutscher Hausmannskost spricht, wird es im Zuschauerraum hektisch. „Bei Eisbein und Sauerkraut sind wir gleich dran“, springt Gabi Klos auf und verteilt noch eine Runde Maracuja-Schnaps an die Mitspieler. Die Flasche Schluck ist eine wichtige Requisite. Im Hause Hugenberg gönnt man sich nämlich gerne mal einen Sherry.

„Woher kennst Du denn unseren Text?“, fragt Michael Eggemann erstaunt. Man müsse schließlich auf seinen Einsatz achten, antwortet Gabi Klos, als sie mit Birgitt Lammers die Bühne betritt. Birgitt Lammers spielt die Hausherrin Elisabeth Hugenberg, Gabi Klos ihre Freundin Dorothee.

Die beiden erfahrenen Laienspielerinnen sind schon mehr in ihren Rollen und feilen schon am richtigen Timing für die Pointen. Ganz ohne Hilfe von Marion Weiß, die ab und zu ein paar Stichworte gibt, geht es aber doch nicht. Seit mehr als 30 Jahren hilft die Souffleuse den Laienspielern über Texthänger hinweg. „Das ist die wichtigste Person. Ohne sie gehen wir nicht auf die Bühne“, sind sich die Theatermakers einig. Es helfe einfach, wenn sie da ist. „Ein Blick in den Kasten reicht.“

In der nächsten Szene sollte eigentlich Karl-Heinz Glins als Buchhalter auf die Bühne kommen, doch der fehlt bei dieser Probe. „Was wollen wir machen?“, fragt Martin Heimbrock. Es geht im Text da weiter, wo der Buchhalter abgegangen ist, gibt Regisseur Georg Weglage vor. Und so unterhalten sich nun Martin Heimbrock als Firmenchef Rüdiger Hugenberg und sein Freund Klaus (Ralf Voß) auf der Bühne. Stolz berichtet Rüdiger, dass er einen „ganz besonderen Chauffeur“ angestellt hat. An den eindeutigen Hinweisen von Hugenberg/Heimbrock wird dem Zuschauer schnell klar, dass Schwerenöter Rüdiger eine Fahrerin, dargestellt von Maren Lammers, engagiert hat. Und das, obwohl ihm seine Gattin verboten hat, weibliches Personal einzustellen.

Nur Freund Klaus kapiert nichts und zieht die falschen Schlüsse. Er vermutet, dass Rüdiger den weiblichen Versuchungen abgeschworen hat und sich nun für Männer interessiert. Wenig später verrät er Rüdiger Sohn Jens (Daniel Wöste) seinen Verdacht. Auch der Filius ist schockiert.

Da kann nur Psychiater Dr. Knüdel helfen. Und der hat auch schon eine Vermutung, woran der liebe Rüdiger leiden könnte:

Dr. Knüdel wird verkörpert von Bernard Glins, der eine besondere Herausforderung zu meistern hat. Denn Psychiater Knüdel spricht zwar kein Plattdeutsch, hat dafür aber einen heftigen Sprachfehler. Erwartungsgemäß kann der Nervenarzt nicht wirklich helfen, aber zum Schluss klärt sich freilich alles auf. Ob der Schwank aber wirklich ein Happy End, erfahren die Zuschauer erst bei der Premiere.

 

Während die Laienspieler die Szenen des dritten. Aktes proben, behält Regisseur Georg Weglage konzentriert das Geschehen auf der Bühne im Auge. Nur manchmal schaltet er sich ein, um kurze An- und Hinweise zu geben. „Du sprichst immer zum Publikum“, ermahnt Weglage einen Akteur, der sich mit dem Rücken zum Saal dreht. „Da musst Du eine längere Pause machen“, weist er Ralf Voß in einer anderen Szene an. Manchmal muss der Spielleiter die Schar auch zu mehr Ernsthaftigkeit ermahnen.

Trotzdem kommt der Spaß bei der Probe nicht zu kurz. Genau deshalb ist Birgitt Lammers seit mehr als 40 Jahren dabei. „Weil das Spielen Spaß macht und das hinter der Bühne auch“, verrät sie. Da kann Bernard Glins nur beipflichten: „Der Großteil des Theaters findet hinter der Bühne statt.“ Während einer Vorstellung werde sogar nebenbei gegrillt. Ein Schauspieler, der nur wenig Text zu sprechen hat, muss den Grill im Auge behalten und aufpassen, dass die Würstchen nicht schwarz werden.

 

Bei der guten Stimmung in der Gruppe fällt es dem jüngeren Nachwuchs nicht schwer, sich zu integrieren. „Es ist das Schöne, dass die Gruppe so gemischt ist“, sagt Franziska Prinz. Mit den Jahren schauen sich die Jüngeren immer mehr von den erfahrenen Mitspielern ab. An ihre erste Lektion von Spielleiter Georg Weglage kann sich Franziska Prinz noch genau erinnern: 

Du kannst alles machen, aber gucke nie ins Publikum.Franziska Prinz

Neulinge und Routiniers teilen nicht nur die Leidenschaft für das Theaterspielen, sondern auch ein Leiden: das Lampenfieber. „Das geht nicht weg“, sind sich Birgitt Lammers und Gabi Klos einig. Sie haben mit der Zeit gelernt, mit der Nervosität vor dem Auftritt umzugehen. Und wenn mal was nicht klappt? Egal, das Publikum verzeiht gerne einen Fehler. „Die Zuschauer warten ja auch drauf“, weiß Franziska Prinz, „wenn man gar nichts sagt, fängt das Publikum an zu klatschen – und dann versteht man die Souffleuse nicht mehr.“

Trotzdem spielen die Theatermakers natürlich lieber vor vollen Rängen. „Das macht mehr Spaß und man wird auch mutiger“, sagt Martin Heimbrock. Die Erfahrenen fangen dann gerne einmal an zu improvisieren, wenn der Text fehlt. „Keine Vorstellung ist gleich“, geben sie zu. Wichtig ist nur, dass man den Mitspieler nicht aus dem Konzept bringt. „Das Stichwort muss kommen, sonst wäre es gemein“, sagt Birgitt Lammers.

Termine und Preise

 

Zum Abschluss der Probe planen die Theatermakers ihre nächsten Termine. „Wir sollten beim nächsten Mal verstärkt den dritten Akt üben“, schlägt Martin Heimbrock vor. Er hat gemerkt, dass er da noch einige Lücken hat. „Trotzdem könnte ich morgen spielen“, sagt er. Während der Vorführung könne man zwischen den Auftritt den Text für die nächste Szene noch einmal nachlesen. Ohnehin werde man mit der Zeit gelassener. „Das klappt immer“, sagt Georg Weglage und die Schauspieler nicken zustimmend.

Wie immer sind sie mit einem gemeinsamen Ausflug am 3. Oktober in die Saisonvorbereitungen gestartet. Im November begannen die Proben. Seitdem treffen sich sie zweimal wöchentlich. Zuvor hatten die Theatermakers gemeinsam überlegt, welches Stück sie auf die Bühne bringen wollten. Das letzte Wort hat dabei Spielleiter Georg Weglage, genannt „Chefchen“. „Da darf ich dann auch mal was entscheiden“, lacht der Regisseur.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1656003/theatermakers-merzen-proben-fuer-premiere-am-24-februar

 

16. Februar 2019, 12:29 Uhr