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Josef Herrmann inventarisiert Kunstschätze auch in Merzen

Josef Herrmann ist Theologe. Als zudem ausgebildeter Kunsthistoriker arbeitet der Familienvater bereits erwachsener Kinder seit einigen Jahren an der Inventarisierung kunsthistorischer Schätze in den Gotteshäusern des Bistums Osnabrück. Einen kurzen Besuch stattete Herrmann, der derzeit an seiner Dissertation an der Universität in Osnabrück arbeitet, nun in der katholischen St. Lambertus-Gemeinde in Merzen ab.

Vorsichtig öffnet Josef Herrmann mit einem langen Metallschlüssel die massiven Türen eines nicht öffentlichen Tresors in der St. Lambertuskirche, zu dem ihn eine der Gemeindeschwestern an diesem Mittwochmorgen Zugang verschafft hat. „Eigentlich habe ich die Messkelche sowie die anderen sakralen Einrichtungsgegenstände in dieser Kirche schon vor einigen Jahren katalogisiert. Wenn ich nun aber schon mal hier bin, schaue ich mir doch gleich alles noch einmal an“, erläutert Josef Herrmann, während er eine uralte, lederne Schatulle aus dem stählernen Wandschrank nimmt.

Schließlich komme es immer wieder vor, dass er bei seinen Besuchen in den Kirchen, Pfarrhäusern und Kapellen alte Schätze finden würde, die er bei bisherigen Visitationen nicht wahrgenommen habe. Oftmals, weil Gegenstände auf dem ersten Blick uninteressant wirken, wenngleich sie bei genauerem Hinsehen einen hohen ideellen Wert darstellen können.

Als er den kleinen verrosteten Verschluss der angestaubten Lederschatulle öffnet, kommt ein goldglänzender alter Kelch zum Vorschein, der dem Betrachter mit seinen reichhaltigen Verzierungen an sich schon reichlich Eindruck verschafft. „Dies ist ein Ziborium, unter anderem auch Speisekelch genannt, und dient in der Regel dazu, konsekrierte, also bereits geweihte Hostien aufzubewahren“, erklärt der Experte.

Behutsam wendet er das zweiteilige Stück samt Deckel in seinen Händen. Sofort erkennt Herrmann den historischen Wert des an sich eigentlich dünnblechigen und somit an Gewicht nicht allzu schweren Kelchs. Anhand einiger unverkennbare Merkmale, lassen sich sofort eine Reihe eindeutiger Eigenschaften ableiten: Zum einen gehört die Art dieser handlichen und reich verzierten Kelche zur Epoche des beginnenden 18 Jahrhunderts, woraus sich ein Alter um die 300 Jahre ableiten lässt.

Zum anderen kennzeichnen zwei eingestanzte Vertiefungen am Fußteil den Ursprung des sakralen Stücks: Das Osnabrücker Rat symbolisiert die Zugehörigkeit des Ziboriums zum Bistum Osnabrück, während das kleine Herzzeichen, aus denen drei Rosen herauswachsen, das Musterzeichen des damaligen Kelchmeisters Hartmann darstellt. Zwar werden diese etwa drei Millimeter großen runden Einkerbungen erst bei genauerem Hinsehen sichtbar, aber durch diese millimetergenauen Kennzeichnungen konnten die Goldschmiede augenscheinlich auch schon vor Jahrhunderten ein individuelles Gestalten ihrer Produkte und somit eine Unverwechselbarkeit ihrer Erzeugnisse erreichen.

Eigentlich sei der Mitarbeiter des Bistums heute noch einmal nach Merzen gekommen, um einen letzten Kelch aus dem Jahre 1895 zu begutachten, der einst von Pastor Bücker als Primizkelch benutzt wurde und sich derzeit gar nicht in der Kirche befindet. Den Nachforschungen sowie einer Inschrift zur Folge muss Pastor Bücker diesen damals schon gebrauchten Kelch von einem Onkel geschenkt bekommen haben, der ebenfalls Priester gewesen war. Bücker, der von 1946 bis zu seinem Tod 1961 als Pfarrer in Merzen wirkte, hat diesen Kelch dann später nach seinem plötzlichen, tödlichen Schlaganfall testamentarisch der Merzener Kirchengemeinde hinterlassen.

Heute wird dieses kostbare Stück in einem nicht genannten Haus außerhalb der Kirche aufbewahrt „In der Regel werden die kostbaren Einrichtungsgegenstände wie Monstranzen und Messkelche in den Gemeinden nicht alle an einem Ort gelagert, schon gar nicht alle in der Kirche“, berichtet Josef Herrmann. Leider würde es immer wieder vorkommen, dass diese Gegenstände dem Diebstahl zum Opfer fallen und es trotz des meist eigentlich geringen Materialwerts zum Einschmelzen des Diebesguts kommen würde. „Was an ideellem Wert damit verloren geht, interessiert diese Leute nicht“, so Herrmann weiter.

Diesem Verschwinden kostbarer Besitztümer der Kirchen entgegen zu wirken ist neben den kunsthistorischen Forschungsarbeiten Hintergrund der Katalogisierung. Oftmals könne man durch Aufzeichnungen in alten Kirchenbüchern, zum Teil sogar anhand einst geschriebener Rechnungen oder Testamente nachvollziehen, wo was hingehört, beziehungsweise, wo es herkommt.

So sei es in einem nördlichen Landkreis des Bistums vor einigen Jahren flächendeckend vorgekommen, dass wertvoll geschnitzte Statuen abhandengekommen sind, die einen jeweiligen Wert im fünftstelligen Eurobereich hatten. Durch die dann nachvollziehbaren Dokumentationen und Katalogisierungen dieser Gegenstände sei man dann dem Unrecht auf die Schliche gekommen. „Wir konnten zwar nicht alles wiederbekommen, aber die damaligen Unregelmäßigkeiten konnten gestoppt werden“, berichtet Josef Herrmann zufrieden.

Spannende Zeitreisen in tiefe Vergangenheiten sind es, die der ursprünglich aus Ankum stammende Historiker fast täglich unternimmt. Er selber sieht diese Aufgabe nicht nur als Beruf an, sondern eher als Berufung. Aus theologischer Sicht ist er dafür mitverantwortlich, dass Jahrhunderte christlichen Glaubens auch an zukünftige Generationen weitergegeben werden. Aus Sicht des Kunsthistorikers bestehe jedoch seine Aufgabe einwandfrei darin, regionale Kunstepochen und handwerkliche Fähigkeiten aus oftmals längst vergangene Zeiten für die Gegenwart zu sichern. Eine interessante Arbeit mit dualem Auftrag also.

 

Artikel und Foto von Martin Heimbrock / Bersenbrücker Kreisblatt
http://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/840380/josef-herrmann-inventarisiert-kunstschaetze-auch-in-merzen#gallery&0&0&840380

 

25. Januar 2017, 13:45 Uhr