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Niederlassung bestand 75 Jahre - Ordensschwestern verlassen St.-Lambertus-Gemeinde Merzen

In der kleinen St.-Aloysius-Kapelle im Obergeschoss des Merzener Schwesternhauses versammeln sich Schwester Gerburg und Schwester Ortrud (von links) mehrmals am Tag zum Gebet. Am Donnerstagabend feiern sie mit Pfarrer Detlef Perk den letzten Gottesdienst, bevor die Kapelle offiziell entwidmet wird. Foto: Christian Geers

Merzen. In der kleinen Kapelle im Schwesternhaus an der Gartenstraße wird am Donnerstag, 21. Juni, zum letzten Mal ein Gottesdienst gefeiert. Der „Orden der Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens“ schließt seine Niederlassung in Merzen. Es ist das Ende einer Geschichte, die auf den Tag genau vor 75 Jahren begann.

Der Dankgottesdienst am Tag zuvor wirkt nach. Schwester M. Gerburg und Schwester M. Ortrud sind noch tief beeindruckt von der Feier in der St.-Lambertus-Kirche und dem Empfang danach. Und sie sind ein bisschen stolz auf sich, den Tag so tapfer überstanden zu haben, als sich die Gemeindemitglieder von ihnen verabschiedeten. „Ich war schon etwas nervös“, lächelt Schwester Gerburg. Denn der Ablauf des Tages sah vor, dass beide Schwestern im Mittelpunkt stehen – eine Situation, die ihnen eher unangenehm ist. Sie wirken lieber im Hintergrund, im Stillen, sind da, wo Hilfe gebraucht wird. Das ist ihr Auftrag.

„Auch ein Abschied ist eine Bereicherung“

Abschied ist immer auch der Beginn von etwas Neuem. Das haben Schwester Gerburg und Schwester Ortrud in ihrem Leben im Dienste der Netter Schwestern vielfach erlebt. Der Orden führte sie an viele Orte und betraute sie mit Aufgaben, die Erfüllung und Herausforderung zugleich waren – immer so, wie der Orden, dem sie Gehorsam gelobt haben, es verlangt: Gott loben, die Menschen lieben, in der Welt leben. Sicher, sie gehen, jede für sich, mit etwas Wehmut, aber mit vielen Erinnerungen an besondere Menschen und Momente. „Auch ein Abschied ist eine Bereicherung“, sagt Schwester Ortrud.

Ordnung in die Bücherei gebracht

„Es waren schöne Jahre“, blickt Schwester Gerburg zurück. Die 79-Jährige kam am 1. August 2003 in die Merzener Kommunität und bildete mit der unvergessenen Schwester M. Irena ein Team. Während ihre Mitschwester im Pfarrbüro arbeitete, brachte sie die kaum beachtete Bücherei wieder in Schwung. Sie machte aus dem dunklen Raum einen Treffpunkt, suchte die Zusammenarbeit mit Kindergarten und Schule. Wer die Welt verstehen will, muss sie lesen, sagt Schwester Gerburg. Durchaus für Aufsehen sorgt auch die von ihr initiierte Unterschriftenaktion, mit der sie die Schließung des Supermarktes in der Dorfmitte zu verhindern versucht. Manch einer belächelt diesen Einsatz, der am Ende vergeblich war, doch Schwester Gerburg würde das wieder so machen. „Sich nur zu beklagen, das reicht nicht. Jeder kann etwas tun“, sagt sie – und es klingt bestimmt.

Nach 54 Jahren in Schweden nach Merzen

Vor zwei Jahren kam Schwester Ortrud nach Merzen. Die 79-Jährige arbeitet vor ihrer Rückkehr 54 Jahre für ihren Orden in Schweden, war in Göteborg und in Stockholm im Krankenhaus, im Kindergarten und als Hauswirtschafterin für Pfarrer tätig. Zwar hat sie zwischendurch immer mal wieder Deutschland besucht, aber an die deutsche Mentalität, die gelegentliche Reserviertheit, musste sie sich erst wieder gewöhnen. „Schweden sind vielleicht etwas lebensfroher, genießen den Moment, erfreuen sich an kleinen Dingen.“ Übernommen aber hat Schwester Ortrud deren Gelassenheit. „Det är ornat“, sagt sie und lächelt vieldeutig. Det är ornat? „Ja. Es ordnet sich, heißt das.“ Was so viel heißt wie: Es fügt sich, alles hat einen Sinn.

Ordengemeinschaft fehlt der Nachwuchs

Dass sie die letzten Missionsschwestern vom heiligen Namen Mariens in Nette – das ist der offizielle Name – in Merzen sein würden, wissen die beiden seit dem vergangenen November. Damals gibt es erste Überlegungen, die im Februar in einen Beschluss des Generalrats münden. Der beschließt, die Merzener Niederlassung zum 15. Juli aufzuheben. Als sich die Nachricht herumspricht, ist das Bedauern in Merzen groß. Doch die Gründe sind verständlich: Es fehlt dem Orden buchstäblich die Zukunft, weil es kaum noch Eintritte gibt. Und die wenigen reichen nicht, um alle Niederlassungen zu halten.

Schwestern wechseln in das Altenpflegeheim St. Anna in Twist

Noch gut zwei Wochen Zeit bleibt den Ordensschwestern, um die Niederlassung aufzulösen. „Um auszuräumen und zu entrümpeln“, sagt Schwester Gerburg. Und um schließlich die Koffer zu packen. Zusammen mit Schwester Ortrud zieht sie um nach Twist. Im Altenpflegeheim St. Anna, einer Einrichtung ihres Ordens, werden sie ihren Lebensabend verbringen und – wie es ihre Kräfte ermöglichen – sich um die Bewohner kümmern. Und was wird die Zukunft bringen? „Det är ornat“, sagt Schwester Ortrud nur. Schwester Gerburg nickt. Es wird sich alles ordnen.

 

Quelle: Bersenbrücker Kreisblatt
https://www.noz.de/lokales/samtgemeinde-neuenkirchen/artikel/1340587/ordensschwestern-verlassen-st-lambertus-gemeinde-merzen

 

20. Juni 2018, 13:22 Uhr